Das Kaseck
Volle zwanzig Jahre waren vergangen, seit ich ihn zum letztenmal gesehen hatte. Unter dem hallenden Portal der technischen Hochschule nahmen wir damals Abschied voneinander – fröhliche Abiturienten, jeder bereit, nunmehr der Welt zu zeigen, wie er sich den Fortschritt dachte. Friedrich wollte den Leuten Paläste und Heimstätten bauen – ich Eisenbahnen. Und in Gedanken hatt' ich mir schon weiß Gott wie viel hundert Kilometer Schienen zurechtgelegt, um vergessene Winkel meines Vaterlandes mit den großen Kulturstraßen zu vereinen und dabei nach Tunlichkeit zu beweisen, daß eine Gerade die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten sei. Ja, mit fünfundzwanzig Jahren! Natürlich war mir weder um die Konzessionen, noch um die nötigen Konsortien bange. Ein Kerl, der den Kopf so voll Plänen hatte wie ich, dem mußte sich ja alles von selbst anbieten. In meiner eigenen Tasche freilich war damals kaum viel mehr, als man von heut' auf morgen braucht. Da hatt' es nun Friedrich allerdings besser. Der einzige Sohn reicher Eltern, trat er sozusagen von der Schulbank weg auch gleich sein Erbe an. Denn sein Vater war schon lange tot und ein hübscher Zufall fügte es, daß der Tag des Staatsexamens mit seinem vierundzwanzigsten Geburtstag zusammenfiel und ihm so in doppelter Weise die bürgerliche Volljährigkeit gab. Glücklicher Kerl das! Fast wie Neid schlich es mir an die Seele, wie ich ihn damals so