verletzte. Aus einer der Außentaschen nahm Lisa-Mari eine Wasserflasche und trank durstig; sie musste sich zwingen, noch einen Rest zu lassen für später, sie hatte nur noch eine weitere Flasche. Dann lehnte sie sich an den großen Rucksack und versuchte sich zu erinnern, wie sie hierher gekommen war. Sie war sehr früh los gelaufen und … verflixt, sie hatte niemanden informiert. Nach dem Krach gestern mit Sabrina hatten sie nicht mehr miteinander gesprochen. Jede hatte sich auf ihre Seite des Ehebettes geschoben und sie hatten einander den Rücken zugedreht. Und als sie heute noch vor dem Morgengrauen wach geworden war, hatte sie ihren Rucksack gepackt und war, immer noch wütend und frustriert, losgezogen. Niemand wusste, wo sie war. Oder hatte sie gestern etwas davon erwähnt? Sie sah die Szene plötzlich vor sich: Sabrina, die sie aus blauen Augen anfunkelte, während sie ihr mit leiser, aber umso bedrohlich klingenderer Stimme Vorwürfe machte. Wie so oft kam ihre Frau ihr in diesem Moment vor wie eine Verkörperung einer keltischen Kriegsgöttin, mit ihrer fast weißen Haut und den roten langen Haaren, groß, stämmig und muskelbepackt. Im Hintergrund im Spiegel dagegen sie selbst: klein, zierlich, die Haut fast schwarz, das schwarze Haar wie immer auf wenige Millimeter gekürzt – ganz die Wissenschaftlerin und Musikerin. Pat und Patachon hatte die Kapitänin sie beide mal scherzhaft genannt und erklärt, das hätte ihre Oma immer gesagt, wenn ein ganz großer mit einem kleinen Menschen ein Paar gewesen sei. Das war als Kompliment gemeint gewesen, und sie waren ja auch ein tolles Paar. Oh, wie sie Sabrina liebte! Würde sie sie jemals wiedersehen? Würde sie hier herauskommen? Einen Moment lang wurde ihr schwindlig, sie schloss kurz die Augen. Dann raffte sie sich auf, aß zwei

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