Gedichte
Der Staatsmann Im wilden Sitzungssaale – Ich räusperte mich allzuoft – Und stand, als Lineale Den Schädel schonten unverhofft. In meines Herrn Kaleschen – Er war nervös und dunkelstumm – Durchfuhr ich goldne Breschen Von Flaggen, Wind und Publikum. Auf künstlichen Kongressen Besah ich manches Ordensband. Zu Hause die Komtessen Küßten mir artig Wang' und Hand. Nun ist es mir verglitten – So leer es war, nun ist es um. O Klang von Wort und Schritten! Ein Ruf nur bleibt. Warum? Das Dienstmädchen Kleiner Weg durch kleine Küchen! Früh sagt der Bordwisch: Mach rein! Und da kommt der Herr mit verschlafenen Flüchen, Und die Frau ohne Haar ist gemein. Oft sang ich an einem Bügelbrett. Nachts lag ich in einem roten Bett. Und kamen abends Gäste ins Haus, Sie sahn mich nicht an beim Schmaus. Sie sahen nicht Blässe und Augenstriche, – Hatte ich da das Monatliche, Lief ich doch ein und aus. Einst war ein Sonntag gut Im Kino und beim Photographen ... Nun, ausgewacht und ausgeschlafen, Was ist es, daß mein Herz nicht ruht? Der Kanarienvogel. Ich sprang von meinem Holm In den Silberring. Da schlugen große Uhren durchs Zimmer, Und oft vom Flügel Kam riesige Wonne her. Es waren Wesen da Mit Paradiesesstimmen, Die brachten früh mein gelbes Bad. Sonst kamen nur Wolken genaht Und der Fensterbaum immer. Einst schwebten Augen auf mich herab, Da schwirrte ich in meinen kleinen Sand. War müd' und tot.