Der Aufbruch
Elisa verließ das Haus an einem Januarmorgen, als der Schnee so tief lag, dass er die Geräusche verschluckte und die Welt in eine Stille hüllte, die wie Watte war. Sie nahm einen Rucksack mit, gefüllt mit dem Nötigsten — warme Kleidung, eine Thermoskanne, ein Notizbuch, das sie seit Jahren mit sich trug und in das sie nie geschrieben hatte. Sie wusste nicht, wohin sie ging. Sie wusste nur, dass sie nicht bleiben konnte.
Die Wohnung in Kassel war zu voll mit Erinnerungen, die sich anfühlten wie Möbel, die man nicht verrücken konnte — an jeder Ecke ein Bild, an jeder Tür ein Geruch, in jedem Zimmer ein Gespräch, das nicht mehr geführt werden konnte. Drei Jahre war ihr Mann tot, und Elisa hatte drei Jahre lang versucht, in der Wohnung zu leben, die seine gewesen war, und hatte festgestellt, dass Trauer ein Zimmer brauchte, das man nicht mit Erinnerungen teilte.
Sie ging nach Norden, weil der Norden im Winter leer war und Leere das war, was sie brauchte. Die Landstraße führte durch Dörfer, die im Schnee schliefen, an Wäldern vorbei, die weiß und stumm waren wie Kathedralen, und Elisa ging, Schritt für Schritt, und mit jedem Schritt wurde die Stille in ihr ein wenig größer und die Trauer ein wenig leiser.