Erstes Kapitel
Ein schöner, sonnenwarmer Frühlingsmorgen, das Zimmer voll Licht, das den Schreibtisch lockend überflutet, was braucht der Schriftsteller mehr, um schaffensfreudig zu sein! Von unten hörte ich ein Klingeln an der Gartenpforte. Das war die Morgenpost. Glücklicher Mann! dachte ich so nebenbei, während mein Federhalter für eine Minute Ruhe hatte. Die Frau nimmt das alles in Empfang, deine Frau, das Herzle, das zärtlich für dich sorgt. Sie sichtet und ordnet Briefe und Karten und Drucksachen und legt dir, solange dir keine überflüssige Zeit zur Verfügung steht, nur vor, was für dich wirklich von Bedeutung ist. Herzle ist nämlich ihr Kosename. Er stammt aus dem zweiten Band meiner ›Erzgebirgischen Dorfgeschichten‹ Ges. Werke Bd. 44 ›Der Waldschwarze‹. Da kommt ein ›Musterdörfle‹ und ein ›Musterhäusle‹ vor, worin das Herzle mit seiner Mutter wohnt. Die Gestalt, die dort so gerufen wird, ist mir im Lauf des Schaffens ans Herz gewachsen, und so wird es begreiflich scheinen, daß der zärtliche Name nach und nach auf meine Frau überging. Sie hat das ganze Erdgeschoß des Hauses inne, während der obere Stock meine Zimmer enthält. Unten waltet sie als unermüdlich fleißiger Hausengel, empfängt die immer zahlreicher werdenden Besuche meiner Leser und beantwortet alle die vielen Briefe, deren eigenhändige Erledigung mir selber unmöglich ist. Vorgelesen aber werden sie mir alle, wobei sie derart