Die Ebene und die Sterne
Die Mühle, in der Will mit seinen Adoptiveltern lebte, stand in einem schrägen Tal zwischen Tannenwäldern und mächtigen Bergen. Oben ragte Gipfel über Gipfel gen Himmel, bis ihre Spitzen die Tiefen auch des zähesten Holzes überragten und sich nackt gegen den Horizont abhoben. Etwas oberhalb der Mühle schmiegte sich ein langes, graues Dorf gleich einem Saum oder Nebelfetzen an eine bewaldete Höhe; und wenn der Wind günstig war, sank der Klang der Kirchenglocken wie dünnes, flüssiges Silber zu Will in die Tiefe hinab. Zu Wills Füßen fiel das Tal steiler und steiler abwärts, sich nach beiden Seiten ausweitend, und von einem Hügel neben der Mühle war es möglich, seine ganze Länge und eine anschließende weite Ebene zu überblicken, durch die der Fluß auf seiner Reise zum Meer in leuchtenden Windungen von Stadt zu Stadt eilte. Der Zufall wollte es, daß ein Paß oberhalb des Tales nach einem benachbarten Reiche führte, so daß der Weg, der am Flußufer entlang lief, trotz der ländlichen Stille der Umgegend als große Heerstraße diente, die zwei glanzvolle und gewaltige Staatsgebilde verband. Den ganzen Sommer über krochen die Reisewagen zur Mühle herauf oder rollten in munterem Trabe an ihr vorbei den Berg hinunter; da aber der Aufstieg von der anderen Seite viel leichter war, wurde der Weg nicht viel begangen, außer von Leuten, die in einer bestimmten Richtung reisten; und von allen