1. Kapitel
»...Also komme, so bald Du nur kannst, mein lieber Heinrich! Ich erwarte Dich mit größter Ungeduld! Die hiesige Gegend ist herrlich und gerade diese Region des südlichen Ungarns ist wie geschaffen, das Interesse eines Ingenieurs zu fesseln. Nur von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet, wirst Du die Reise hierher nicht zu bereuen haben. Mit den herzlichsten Grüßen Markus Vidal.« So lauteten die Schlußworte eines Briefes meines Bruders, den ich – es war am 4. April – vor mehreren Jahren erhalten hatte. Kein warnendes Vorzeichen begleitete das Eintreffen dieses Schreibens, das mir in der üblichen Weise zugestellt wurde, nämlich durch die Vermittlung eines Boten, des Portiers und meines Dieners, welcher mir, ohne sich der Wichtigkeit dieser Handlung bewußt zu werden, den Brief auf einer Platte mit der ihm zur Gewohnheit gewordenen Ruhe überreichte. Auch ich war vollkommen ruhig, während ich den Bogen entfaltete und zu Ende las, bis zu jenen letzten Zeilen, die schon im Keime all die seltsamen Ereignisse enthielten, bei denen mir eine Rolle zugedacht war. Wie sind doch die Menschen mit Blindheit geschlagen! Unaufhörlich, ohne ihr Wissen und Wollen wird aus unendlich seinen Fäden ein geheimnisvolles Gewebe gesponnen, das man Schicksal nennt! Mein Bruder hat wahr gesprochen: ich bereue diese Reise nicht! Aber soll ich wirklich davon berichten? Gibt es denn nicht Dinge, die man lieber