Chapter

Erstes Kapitel. Aufsicht über Kinder ein Engelsgeschäft.

Zu Anfang des vorigen Jahrhunderts lebten auf einem altertümlichen, aber sehr prächtigen Schlosse, nahe an einem großen Walde, Graf Friedrich und Gräfin Adelheid von Eichenfels. Ein zartes, wunderschönes Knäblein, Namens Heinrich, das sie unaussprechlich liebten, war ihr einziges Kind. Allein bevor das Kind noch den Namen Vater aussprechen konnte, mußte der edle Graf fort in den Krieg. Die fromme Gräfin blieb zurück auf dem Schlosse, und der einzige Trost über die Abwesenheit ihres Gemahls, die einzige Freude in ihrer stillen Einsamkeit war ihr geliebter, kleiner Heinrich. Sie hatte sich vorgenommen, ganz der Erziehung desselben zu leben, und ihr ganzes Herz sehnte sich nach dem seligen Augenblicke, da sie mit dem holden Knaben auf dem Arme ihrem teuren Gemahl würde entgegeneilen können. Eines Abends saß die Gräfin mit ihrem Kinde auf dem Schoße in ihrem Zimmer. Margareta, das Kindermädchen, stand neben ihr und hielt dem Kinde, freundlich scherzend, einige frischgepflückte Blumen vor. Das Kind streckte lächelnd die kleinen Händchen darnach aus, und auch die Mutter lächelte sehr vergnügt, und ergötzte sich an der Freude des Kindes. Da trat auf einmal ein Diener, der mit dem Grafen ins Feld gezogen war, herein, und brachte die traurige Nachricht, der Graf sei schwer verwundet, und verlange vor seinem Ende, das vielleicht nahe sei, seine Gemahlin noch zu sehen. Die Gräfin ward

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