Chapter

Erstes Kapitel

Am 6. September 1880 kam ich in das Haus des Herrn Oberförsters Nordmann. Zehn Minuten vom Dorf Zülla lag das Forsthaus am Rand der großen Waldungen. Wunderschön fand ich das alte massive Gebäude, von Eichen und Tannen umstanden; ich meinte, der Friede müßte leibhaftig hier wohnen, und wußte doch, daß er schon lange aus diesen Mauern gewichen war. Herr Nordmann hatte mich in Magdeburg mit folgenden Worten engagiert: »Ich habe zwei Töchter, eine ist zwanzig Jahre alt, die andere siebzehn. Die erstere braucht Sie nicht mehr als Erzieherin, sie ist sozusagen, fix und fertig, aber die Kleine, die muß jemand haben, jemand, die ihr die Mutter ersetzt, ich bin nämlich Witwer. Außerdem natürlich – Sprachen und dergleichen. Karoline war in einer sehr guten Pension, Johanna kann ich nicht in eine solche geben. Es ist einsam bei uns, aber Sie haben den Wald und das Kind.« Ich war äußerst begierig, die jungen Mädchen zu sehen. Als ich eintraf, wurde ich von einem Stubenmädchen, das mich neugierig musterte, in die »Gute Stube« geführt mit dem Bemerken, das Fräulein Karoline werde gleich kommen, der Herr Oberförster sei nicht daheim. Ich hatte das Gefühl, daß mich wohl jemand von der Station hätte abholen können; aber ich überwand diese erste Täuschung und wartete geduldig in dem ungemein spießbürgerlich ausgestatteten Raum. Nach einer halben Stunde etwa tat sich die Tür auf und Karoline

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