Durstig-Werden-Lernen
Pim blieb drei Tage in Stillfurt, und in drei Tagen ließ nicht ein Mensch zu, dass er den Schirm über ihm öffnete.
Es war nicht, dass sie unfreundlich gewesen wären. Sie brachten ihm Tee. Sie bewunderten seine Messingnieten. Sie ließen sich nur nicht dazu bringen, zu wollen. Er sagte: *stell dich einen Augenblick hierher*, und hielt den grauen Schirm über sie und fragte sie sanft, was sie brauchten — und jeder Einzelne lächelte dieses verschlossene Lächeln und sagte *nichts, danke, mir geht es ganz gut*, und der Bezug blieb trocken wie Knochen, denn der Schirm, das ehrliche alte Ding, wollte sich auf eine Lüge nicht ausgießen.
Das Geheimnis der Stadt begann er am zweiten Abend zu verstehen, als er zusah, wie Bürgermeisterin Ottilie das Anschlagbrett des Platzes abschloss, obwohl es nichts enthielt als eine Bekanntmachung, die Bekanntmachungen untersagte. Stillfurt war nicht immer still gewesen. An den Gebäuden waren verblasste Spuren, wo Schilder gehangen hatten — *Hilfe gesucht*, *Katze entlaufen*, *Tausche gegen*. Irgendwann im Lauf der Jahre hatte die Stadt beschlossen, dass eine Sache laut zu wollen hieße, einen Mangel einzugestehen, und ein Mangel sei eine Art Versagen, und so hatten sie einer nach dem anderen aufgehört zu bitten — um Hilfe, um Gesellschaft, um irgendetwas —, bis das Bitten selbst unschicklich schien und sie das Schweigen für Zufriedenheit hielten. Sie