Erstes Kapitel: Drei Einsiedler
Die Welt ist groß: zieh hin und her, Du findest doch kein Elsaß mehr! Ehrenfried Stöber Herbstwehmut überschauerte bereits die Gefilde der Westmark. Die Weinberge um Lützelbronn begannen sich zu vergolden. Gärten und Felder hatten ihre Sommerarbeit getan und waren willens, ihre Früchte den Menschen abzugeben. Über der Ebene und am Gebirg entlang war jener zarte Duft, der zumal im Abendrot der elsässischen Spätsommerlandschaft einen wehmutvollen Zauber verleiht. Noch glaubt man die Gluten des Sommers irgendwo in den Tiefen zu spüren; aber sie sind vergeistigt, verhalten, nur noch Melodie und Farbe, nicht mehr Leidenschaft. Oder war diese veredelte Glut nur in der Seele des Einsamen, der oben am Waldrand saß und den ernsten Blick in die Landschaft sandte? Es war ein langer, hagerer Mann von etwa fünfzig Jahren, in dunkler Kleidung, die sofort den Pfarrer oder Gelehrten verriet. Auf seinem Lodenmantel gelagert, hatte er den Ellenbogen aufgestützt; neben ihm lagen Buch und Filzhut. Die Stirn trat aus gelichtetem, angegrautem, kurzem Haar bedeutend hervor. Herb, fast schwermütig wirkte das längliche bartlose Gesicht mit den zwei tiefen Kummerfalten, die sich von der Nase zu den Mundwinkeln herunterzogen. Der Boden zwischen Weinberg und Kastanienwäldchen war trocken. Ein wilder Kirschbaum breitete seine spitzen, welk herniederhangenden Blätter über den Träumenden aus. Ein paar lange