Chapter

Wenn Landsleute sich begegnen

Nie in ihrem ganzen Leben war Leonie Wilten so grenzenlos überrascht und enttäuscht gewesen – und dennoch nicht ohne das Gefühl einer leis und heimlich aufzuckenden Freude, wie an jenem Frühlingsabend, wo die Großeltern, von ihrem gewohnten Spaziergang heimkehrend, ihr den ins Haus geschneiten Gast vorstellten. Die beiden Gäste vielmehr: den Dr. med. Erdmann und dessen Schwester, die mit eigenem Automobil in der Kreisstadt waren und auf dem Heimweg, weit draußen auf der Chaussee, eine gründliche Panne erlitten hatten. Großvater Neuhaus, der alte Automobilhasser, der alle Welt und den alle Welt kannte, war mit halb schadenfroher Neugier hinzugetreten und hatte im Dämmern des Märzabends den ihm flüchtig bekannten Arzt eines weitentlegenen Kirchdorfes erkannt und ihm ohne Besinnen Hilfe und Unterstand angeboten. Beides hatte Dr. Erdmann dankend angenommen und mit Hilfe von ein paar Arbeitern das verunglückte Vehikel in Großvaters Schuppen geschleppt. Er hatte dann um Wagen und Pferd nach Hause telephoniert, sich ein wenig gesäubert – denn er und Lieselott, seine Schwester, hatten schon eine halbe Stunde angestrengt und im Schweiße ihres Angesichts über dem widerspenstigen Auto gearbeitet, ehe Hilfe kam – und nun erschienen die beiden späten unerwarteten Gäste im hellen behaglichen Speisezimmer von »Haus Friede«, wo der gedeckte und mit großem Schneeglöckchensträußen geschmückte

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