Dem Donner Einen Namen Geben
Manchmal ist in mir ein Sturm.
Er ist dunkel und laut. Er kommt, wenn jemand nein sagt. Er kommt, wenn das Puzzleteil nicht passen will. Er kommt, wenn mein Bruder das rote Auto nimmt, obwohl ICH das rote Auto zuerst hatte.
Der Sturm beginnt als kleine graue Wolke, hinter meinem Bauchnabel.
Dann wird er größer. Dann grollt er.
Dann bin ICH der Sturm.
Ich schreie. Manchmal stampfe ich. Manchmal werfe ich das Puzzleteil auf den Boden, und das Puzzleteil schaut mich an und sagt nichts.
Mama sagt nicht: „Da ist kein Sturm." Mama sagt: „Ja. Da ist ein Sturm."
Sie setzt sich zu mir.
Der Sturm lässt meine Hände zittern. Mama legt eine große warme Hand über meine Hand.
Der Sturm macht meine Brust eng. Mama atmet langsam. Ein. Aus.
Der Sturm wird vom großen Sturm zum kleinen Sturm zu ein paar Tropfen Regen zu nichts mehr.
Der Sturm zieht immer vorbei. Mama sagt das. Und so ist es immer.
Dann passt das Puzzleteil doch.