In der Schenke "Zum Tannenzapfen"
Die warme Juniluft schien in der düstern Kneipstube der Wirtschaft »Zum Tannenzapfen« all ihre Frische, Klarheit und Reinheit eingebüßt zu haben, gleich einem gefallenen Engel. Die schöne warme Juniluft war hier immer stickig wie von Weinhefe, roch nach Schinken und Käse und war dick und schwer, als ob der Atem all der Schurken und Vagabunden auf ihr lastete, die seit der Eröffnung der Schenke, unseligen Angedenkens, hier ihr Unwesen getrieben hatten. Die hin und wider huschenden Lichter des im Herde flackernden Feuers bildeten in dem Dunst unruhige Schattengestalten, die aussahen wie lange dürre Hände, und es schien, als ob sie sich bald öffneten, um zu mausen, bald zusammenballten, um hinterrücks zu erdolchen. Doch die Stammgäste schienen sich hier wohl genug zu fühlen in der von Miasmen erfüllten Luft, und Meister Robin Turgis, der fette, von seinem eigenen Wein halb beduselte und von der Hitze schweißtriefende Wirt, beobachtete sie schmunzelnd und watschelte schläfrig hin und her. Zwischen das Geplapper und das Geklirr der Humpen und Kannen hinein erscholl lautes Gelächter und Gejohle, schrilles Reden und Schreien, ab und zu durch kräftige Flüche unterbrochen, was alles dem Wirt beweisen konnte, wie wohl sich seine Stammgäste im »Tannenzapfen« fühlten. Meister Robins geistige Fähigkeiten waren äußerst beschränkt, und seine Gedanken bewegten sich gemächlich auf der Bahn des