Das Gut der Grimmingers
Vor zwanzig Jahren, als der Münchener Vorort Bogenhausen noch ein unberührtes Dörflein war, lebte da auf einem alten Herrensitz ein Doktor Alois Gietl, der zu den bekanntesten Persönlichkeiten der östlichen Vororte gehörte. Der alte Herr, ein hoher Siebziger und ausgesprochener Sonderling, verkehrte mit keinem Menschen und auch mit keinem seiner Herren Kollegen auf freundschaftlichem Fuße. Tagtäglich fuhr er in einem leichten, offenen Jagdwagen, vor dem zwei feurige Rappen schnaubten, in die Stadt, wo er seinen Liebhabereien als Sammler nachging. Neben dem Kutscher des Gefährtes, einem strammen Fuhrknecht, saß in himmelblauer Dienertracht aus verschossenem Tuch ein verhutzeltes Männchen, das eine Trompete in der Hand hielt und von Seit zu Seit eine helle Fanfare blies. Während die Rappen auf der Fahrt in die Stadt wie zwei gutgenährte Teufel einherstoben, gingen sie auf dem Heimweg stets im Schritt, und anstatt der feurigen Trompetenrufe bekamen die Bogenhausener das schöne Lied »Muß i denn, muß i denn zum Städtele 'naus« oder den tiefsinnigen Kantus »O du lieber Augustin« zu hören. Über das Haus und die Sammlungen des alten Sonderlings liefen die merkwürdigsten Gerüchte um. Tatsache war, daß er allen erdenklichen Trödelkram, den er für billiges Geld erwischen konnte: Uhren, alte Raufdegen, Monstranzen, Meßgewänder, Kaffeetassen, Wandteppiche, Holzfiguren, Schuhschnallen,