Erstes Kapitel
Drum prüfe, wer sich ewig bindet, Ob sich das Herz zum Herzen findet. (Schiller.) Unruhig schritt der Universitätsprofessor Feldern in seinem Arbeitszimmer auf und ab. Die weißen wohlgepflegten Hände auf dem Rücken, den interessanten Kopf mit dem vollen, braun gewellten, nur an den Schläfen von einigen Silberfäden durchzogenen Haar tief gesenkt, durchmaß er den weiten Raum, der die Stätte seiner fruchtbaren Geistesthätigkeit bildete, und nur auf einige Sekunden trat er an eines der beiden weitgeöffneten Fenster, um mit einem tiefen Atemzuge die würzige, erfrischende Luft des milden Sommerabends einzusaugen und den Blick über die grünen Wiesen und die goldig schimmernden Felder streifen zu lassen, die unweit des von ihm bewohnten Hauses ihren Anfang nahmen und sich bis zu dem ausgedehnten, etwa eine halbe Stunde entfernt liegenden Laubwalde erstreckten. Aber gleich darauf nahm er seinen Gang durch das Zimmer wieder auf, und die tiefen Falten, die auf seiner breiten Stirn lagen, ließen erkennen, daß nichts von der Ruhe und dem Frieden, die über dem freundlichen Landschaftsbilde schwebten, in seine Seele geflossen war. Thatsächlich lastete eine schwere Sorge auf dem Gelehrten um das Teuerste, was er auf Erden sein eigen nannte: die Sorge um seine Kinder. Während seiner siebzehnjährigen Ehe hatte der Professor wenig Veranlassung gehabt, in die Erziehung der Kinder einzugreifen. Mit