Der Badeort Bromsö
Ein kleiner aufblühender Badeort an der großen fashionablen Westküste zog mich unbeschreiblich an, hauptsächlich weil mir gesagt worden war, daß Bromsö – wir können es ja so nennen – selbst nichts weniger als »fashionabel« sei. »Man lebt dort ganz im Naturzustände. Man schlägt sich nicht und respektiert das Eigentum anderer, im übrigen geht es dort ebenso ungeniert zu wie auf einer mittelgroßen Insel in der Südsee,« versicherte der »Bade-Intendant«, den ich im Frühlinge in Falkenberg traf und der mich für Bromsö »pressen« wollte. »Geht man in Hemdsärmeln zur Table d'hôte, Freundchen?« »Hm ... nein ... ja ... das heißt ... zu Tische gerade nicht, aber auf Deiner Veranda kannst Du Dir gern den Rock ausziehen, wenn Du dazu Lust hast.« Dies allein war ja schon zu Ende des neunzehnten Jahrhunderts nicht zu verachten, und ich kam also – kam und fand ein diminutives Lysekil mit »Kaffeegesellschaften und gemeinschaftlichen Ausflügen,« mit Cliquen und Courschneiderei, Witzbolden, Radfahrern, kurzgeschorenen Damen und mit allen sonstigen Schattenseiten der Civilsation, inklusive drei reiche Frauen in den besten Jahren, die uns jeden Mittag ein neues Kleid vorführten und einander beim Butterbrottische mit gierigen, neidischen, unheimlich glühenden Augen maßen, bis sie sich überzeugt hatten, wer von ihnen die Eleganteste war. Meine Blicke flogen von den geputzten Damen vorwurfsvoll fragend