Chapter

Was Christine bei ihrer Herrschaft erlebt

Ursprünglich war ich nicht zum Dienen bestimmt. Meine Eltern waren wohlhabende Leute. Sie hatten ein Schnittwarengeschäft, und ich genoß eine gute Schulbildung, um später die Schreibereien für meinen Vater besorgen zu können. Nebenbei wurde ich von der Mutter im Haushalt unterwiesen und mußte alles mit angreifen. Als ich aus der Schule war, half ich morgens der Mutter in der Küche und im Garten, nachmittags war ich des Vaters Schreiber und sein Rechenmeister. Der Lehrer hatte oft gesagt: »Christine, du hast einen guten Kopf und schreibst eine saubere Hand; aus dir kann etwas werden.« Und heute, nach Jahren, da ich dies schreibe, bin ich nicht mehr als eine Stütze der Hausfrau. Das ist so zugegangen: meine Eltern hatten ihr Vermögen verloren und konnten mit ihrem kleinen, bescheidenen Laden nicht aufkommen gegen die Großhändler. So haben sie das Geschäft aufgegeben. Was sie daraus gerettet, reichte eben hin, sie vor Not und Mangel zu schützen. »Christine! Du mußt dir deinen Lebensunterhalt bei fremden Leuten verdienen!« sagte mein Vater kürzlich zu mir. Da trat die Mutter ein und erzählte, daß sie eben der jungen Pfarrerin begegnet sei und daß diese gefragt, ob sie nicht ein älteres, treues Mädchen wisse, die als Stütze in ihr Haus kommen möchte, die überall nach dem Rechten sähe und den Haushalt und die Gartenarbeit verstände. Sie solle mit zur Familie gerechnet werden, müsse

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