Chapter

Was bin ich dir?

Im Waldhof hatten sich wie gewöhnlich um die Nachmittagsstunde Freunde und Nachbarn zu einer Tasse Kaffee und Tante Helenes berühmten Waffeln eingefunden. Man saß gemütlich unter Birken: der heitere und gastfreundliche Hausherr Waldemar Rosner, der nur zuweilen für einen Augenblick verschwand, um in zärtlicher Besorgnis nach seiner Frau zu sehen, die seit zwei Jahren durch eine fortschreitende Lähmung ans Bett gefesselt war, seine Mutter, Großmama Rosner, wie sie allgemein genannt wurde, und Tante Helene, eine Base des Hausherrn, die seit Frau Mias Erkrankung den Haushalt führte, mit den älteren Herrschaften obenan. Am unteren Tischende saßen die sieben Waldhofer Kinder, vom kleinen siebenjährigen Heini angefangen bis zu Bettina, der ältesten Tochter. Sie und ihre Schwester Ilse, die um ein Jahr jünger war, fielen beide auf durch ihre regelmäßig geschnittenen frischen Gesichter, die großen blauen Augen, die von dunklen Wimpern beschattet waren, und prachtvolles dunkles Haar. Allerdings war bei Ilse, der jüngeren, das alles ins außergewöhnlich Vollkommene gesteigert. Sie wirkte dadurch geradezu blendend, so daß Bettinas Schönheit neben ihr nicht recht zur Geltung kommen konnte; um so weniger, als ihr bescheidenes und anspruchsloses Wesen sich von selbst immer im Hintergrund hielt, während die jüngere stolz, selbstherrlich und ohne jede Rücksicht auf ihre Umgebung tat, was ihr

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