Chapter

Im Felsenhaus bei Cavandone

Bald waren es vier Jahre, seit im Felsenhaus an der sonnigen Halde bei Cavandone Frau Dorothea und ihre Tochter wieder eingezogen und kurz darauf die fröhlichsten Kinderstimmen und nie endender Gesang darin erklungen waren. Jetzt war es still um das Haus. Die warmen Strahlen der Märzsonne fielen auf die Terrasse, an der sich hoch hinauf die Weinreben rankten. Noch waren es junge, hellgrüne Blätter, die am Rebenholz in der Sonne glänzten und von Zeit zu Zeit leise erzitterten, denn vom Simplon her kam dann und wann ein frischer Windstoß und erinnerte daran, daß jene Höhen noch tief herunter ihren schimmernden Schnee trugen und warnend auf die früherschlossenen Blumenkelche schauten. Aber im geschützten Garten am Haus leuchteten die rötlichen Primeln und die goldenen Krokuskelche so vertrauensvoll zur Sonne auf, als wollten sie sagen: »Wir stehen unter gutem Schutz.« Oben auf der Terrasse stand Dori an einen Pfeiler gelehnt. Schon seit einer guten Weile hatte sie still sinnend auf die Blumen niedergeschaut, die ihre sonnigen Kelche wie fröhliche Kinderaugen zu ihr erhoben. Plötzlich wandte sie sich, lief weg und erschien unten im Garten wieder. Hier pflückte sie rasch weg, was duftete und glänzte, die schönsten Blumen von allen Stielen, bis die Beete halb entleert standen. Der Blumenstrauß, der in allen Farben schimmerte, war so groß geworden, daß ihre Hand ihn kaum festhalten

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