Chapter

Wanderungen im sudlichen Russland

Es war eine wunderschöne Sternennacht, hoch stand am dunkelblauen Himmel der Mond und sein Licht zitterte auf den leise bewegten Wellen des Bazaluk, der sich durch die Steppe den Pfad bahnt zur Vereinigung mit dem majestätischen Dniepr. Wir standen in der säulengetragenen Veranda des stattlichen Herrenhauses von Gruschewko; schöne Tage lagen hinter, ein schmerzlicher Abschied vor uns. Inmitten der Steppe hatten wir eine Oase gefunden, welche nicht der Natur, sondern dem Geschmack und der Kunst des Menschen ihre Entstehung verdankte; die Laute der heimischen Sprache aus dem Munde holder Frauen und liebenswürdiger Kinder, Lieder, welche am Clavier erklangen, hatten das Bild der langentbehrten Heimath heraufgezaubert. Aber das Viergespann, welches der gütige Gastfreund uns bis zur nächsten Station, Nova Woronzowka, zur Verfügung gestellt, scharrte ungeduldig den schwarzen Grund und schüttelte die langen, verworrenen Mähnen; noch ein Dankwort, ein Händedruck ringsum – Pascholl, Pascholl! und dahin flogen wir auf dem trockenen, breiten Heerweg der Steppe. Das klagende Geheul von Wölfen, welchen man die Jungen genommen hatte, um sie im Stalle zur Winterlust der Hetze aufzuziehen, begleitete unser Gefährt eine Zeit lang, mit ihm verstummte der letzte Laut der Steppe. Wir kehrten von einem Ausfluge in die Urwald-Niederungen des Dniepr zurück. Der treffliche Wiener Reisewagen des

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