Alonzo Brigone
Vorspiel Wie ein Heimweh war die Lust über mich gekommen, aus dem langen Schatten von Bergtal zu Bergtal endlich einmal in das vielgipfelige Gebirge empor ans Helle zu steigen. Ein Mensch, der viele Wochen im Stubenwinkel kauerte, möchte wohl einmal wieder die Treppen hinaufspringen und aufs Hausdach treten. Und ich, der wie ein Wurm in tiefen Nestern und Schluchten herumgekrochen, möchte nun auch wieder auf einer Zinne stehen und mich erkundigen, wo eigentlich die Welt liegt: die große Ebene, das Meer, das reiche, süße, plauderselige Völkerleben. Es gab schon damals – über dreißig Jahre sind es her – einen bestimmten Touristenstrich, eine Art Touristenhütte und vielleicht auch einen Touristenführer in die Monti der Prophetinnen. Davon wußten Thieco, mein Führer, und ich nichts. Unser Ausgangspunkt lag jedenfalls fern der Gebirgsroute. Gipfelsucher beunruhigten die Gegend noch wenig. Mir ist in den günstigen zwei Wochen, da ich mich unten und oben und um die Berggruppe herumtrieb, kein einziger Bergstock und Kletterschuh begegnet. Unten im Tal hatte ich vor fünf Tagen eine kleine Gesellschaft getroffen, die mit uns im Weiler Sostile von einem sündflutartigen Regen überrascht und in der Hütte des Gemeindeältesten Ernesto Fraccomi von Wind und Wasser sechsunddreißig Stunden lang hart belagert worden war. Ein Feuer hatte in der Ecke geraucht, Männer von Sostile saßen an den