Leben und Werk
Am 15. August werden es hundert Jahre, daß zu Edinburg der große Romandichter unseres Jahrhunderts geboren wurde: Walter Scott. Diese Zeilen sollen seiner gedenken. Es kann nicht meine Absicht sein, Neues, sei es über den äußern Gang seines Lebens, sei es über seine Werke oder seinen Charakter sagen zu wollen; — selten ist ein Dasein so liebevoll beobachtet, so ausführlich, bis zum Minutiösen, dargestellt worden; mir verbleibt nur zurückzublicken, zusammenzufassen und dem Gefühle des Dankes darüber, daß er der Welt geschenkt wurde, Ausdruck zu geben. Wenige haben gelebt, die so viele Herzen gelabt, erheitert, erhoben haben. Er konnte es, weil er vor Allem eine unendlich liebenswürdige Natur war und Großes und Kleines, das er schuf, den gleichmäßigen Ausdruck einer reinen und schönen Seele darstellte. Er reiht sich jenen Auserkorenen an, zu denen die Decadencezeiten zurückzukehren haben, um sich Gesundheit zu trinken. Walter Scott, wir recapituliren, erblickte am 15. August 1771 das Licht der Welt. Seine Mutter war eine Rutherford. Der Knabe schien kerngesund: mit anderthalb Jahren indeß bekam er das „freiwillige Hinken“. Alle angewandten Mittel (beispielsweise Einwicklung in die Haut eines frischgeschlachteten Kalbes) schlugen fehl; so traf es sich denn später, daß die beiden großen zeitgenössischen Poeten Englands und Schottlands Hinkefüße waren: Lord Byron und Walter Scott.