Chapter

I.

Waldstein wollte die Schloßgasse hinabgehen, da ereilte ihn Mathias von Thurn. »Bei Gottes Donner!« rief er, faßte seinen Arm und trat mit ihm seitab von der Kirche Maria im Schnee dahin, wo sich jetzt die breite Brüstung bis zur Schloßstiege hinab erstreckt, von wo aus man den prachtvollen und einzigen Ueberblick über die wunderbare Stadt genießt. »Hab' ich Dich endlich? Hier mußt Du Rede stehen. Tritt mit mir vor an die Mauer!« Sie lehnten sich in eine Vertiefung der Ringmauer, wo ihnen eine Geschützöffnung den weiten Ueberblick über die unteren Städte gestattete. Das Abendroth warf seinen Purpurmantel über die Höhen, über die Thurmspitzen und Zinnen des weiten Häusermeeres. Die Moldau wallte in einem Silbernebel, die grünen Inseln verdämmerten wie blasse Smaragden, zwischen die Häuserreihen, auf die Straßen und Plätze tief unten lagerte sich bereits Dunkelheit, aus welcher hier und dort verstohlen ein nächtlicher Lichtschimmer emporbrach, zahllose Glocken tönten die Abendfeier, daß es heraufklang wie wirre Harmonikaklänge, ohrenbezaubernd, weich die Seele rührend. Prag, das schöne, stolze, im Prachtgeschmeide üppig glänzende Weib, gemahnte in einem Moment an die feenhafte Venezia, denn dort, wo am Ende des Gesichtskreises die Häusermassen sich verliefen, schloß sich ein weiter Nebelkreis, anzuschauen wie das Meer, nur rechts und links eingedämmt durch die Berge, wie in eine

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