Der Baum am Wege
Urkund dessen unsere und zweier erbetenen Zeugen – eigenhändige Unterschrift!« las in kurzen Absätzen im Schreiben der Gemeindeschriftführer des Dorfes Hummelberg, sonst und nebenbei mit dem schlecht rentierenden Amte des Dorfschullehrers bekleidet, worauf er sich von seinem Sitze erhob, die Feder frisch eintunkte und selbe mit der verbindlichen Aufforderung: »Also unterschreiben, meine Herren!« den beiden Bauern hinhielt, die seine Rechtshilfe bei Verfassung des Kaufkontraktes über das Bauernstift Nr. C. 6 im Dorfe in Anspruch genommen hatten. Der Verkäufer unterschrieb als solcher den Kontrakt zuerst, und wenn uns, die wir uns erlauben, dem Unterfertigenden über die Schulter zu gucken, auch nicht der in großen, etwas unbehilflichen Zügen erscheinende Name desselben: Matej Fenzl verraten hätte, dass derselbe entweder dem böhmischen Flachlande oder der nieder dem Walde gelegenen böhmischen Enklave, »Podlesi« genannt, angehöre, so hätte dies doch zur Genüge ein Blick auf Gesicht und Gestalt desselben getan, die durchwegs den echt slawischen Typus trugen. Er unterzeichnete ernst und schweigend, legte die Feder nieder und trat beiseite, um dem Käufer seinem auffallenden Widerspiele, einer ausgeprägt deutschen Waldbauerngestalt Raum zur Malerei der vorgeschriebenen drei Kreuze zu geben, welche die Unterschrift des im Schreiben schlecht oder wohl gar nicht Bewanderten zu ersetzen