Das Dorf Kasdorf
Irgendwo auf der flachwelligen Hochebene zwischen der Donau und dem Böhmerwald, wo die braunen Felsen aus den Äckern wachsen und der Winter manchmal so bald kommt, daß die Bauern ihren Hafer in Pelzhandschuhen schneiden müssen, liegt der große Marktflecken Kasdorf. Die Landschaft heißt das Waldviertel und ist wegen ihres Mangels an Kaffeehäusern von der modernen Literatur noch nicht entdeckt. Auf ihren braunen Gewässern, in denen sich die Forellen sonnen, schaukelt noch hier und da eine einsame Fähre, Burgruinen träumen auf steilen Uferfelsen in einen hellblauen Himmel hinein, und die Wipfel der Tannen rauschen auf und nieder wie ein dunkelgrünes Meer. Ein herber Harzduft geht von den Wäldern aus, der weit ins Land hineindringt und noch droben auf den wogenden Getreidefeldern zu spüren ist. Dieser Duft ist die Seele der Landschaft, und wer ihn einmal mit durstigen Nüstern eingesogen, vergißt ihn nimmer und sehnt sich manchmal in der verdorbenen Luft der Städte und Niederungen nach seiner stählenden Frische. Aber wenige kennen ihn. Die flachen Hänge eignen sich nicht zum Ski- und Rodelsport und die Wirtshäuser schon gar nicht zur Fremdenpension, so daß jene Gegend zu keiner Jahreszeit namhaften Besuch von auswärts empfängt. Wenn die Kasdorfer, was selten genug geschieht, zur nächsten Bahnstation wollen, so müssen sie gute drei Stunden zu Fuß wandern, und auf der schlechten,