Vorurtheile
Vorurtheile. Im Jahre 1850 schien die Saison in dem Bade P. eben nicht glänzend werden zu wollen. Es war schon um die Mitte des Monats Juli, und die Kurliste wies nur erst fünfhundert und einige Namen auf, während sie in den Jahren zuvor eben so viel tausend enthalten hatte. Aber was der Badegesellschaft in diesem Jahre an der Quantität abging, ward ihr durch die Qualität ersetzt; so meinte wenigstens der Baron von Masset, einer der Tonangeber in der feinen Gesellschaft, die fast nur aus den adeligen Familien der nähern und fernern Umgegend des Bades bestand. Die reiche Bourgeoisie aus Hamburg, Bremen und den größeren Städten des nördlichen Deutschlands war gering vertreten, man schrieb diesen Umstand den Folgen der Revolution von 1848 zu, das heißt dem immer noch stockenden Verkehre. Die Hausbesitzer des Dorfes harrten vergebens auf ihre sonst so regelmäßig wiederkehrenden Kurgäste, ihre freundlich und bequem eingerichteten Zimmer blieben größtentheils ohne Miethsbewohner. Der reiche Adel bewohnte die zahlreichen Hotels des Orts. Gegen zehn Uhr Morgens betrat ein junger Mann seine Wohnung in einem freundlichen, unweit der großen Allee gelegenen Hause. Er hatte einen Spaziergang durch die Berge gemacht, und warf sich ermüdet in den Sopha. Werfen wir einen Blick auf den Bewohner des mit einfacher Eleganz ausgestatteten Zimmers. Er war von schlanker Gestalt und mochte sieben bis