Chapter

Einleitung

Unsere deutsche Literatur, reicher an dichterischen Individualitäten als manche andere, weist auch eine Reihe von Persönlichkeiten auf, in denen der Gelehrte mit dem Dichter ein Bündnis eingegangen ist, Männer, deren Name sowohl in ihrer Wissenschaft als auch in der schönen Literatur einen guten Klang hat, deren wissenschaftliche Arbeiten durch den erhöhten Reiz der Darstellung sich größere Kreise erschlossen haben als manche grundgelehrten Werke, und deren poetischen Leistungen die Fülle und Tiefe des Wissens ihrer Urheber durchaus zugute kommt. Freilich, nicht immer ist die Mischung in solchen Persönlichkeiten gut geraten, zuweilen bedeutet das innere Schwanken zwischen Wissenschaft und poetischem Schaffen einen Konflikt, und wir wissen z. B. von Scheffel, daß ihm in seiner späteren Zeit sinkenden Selbstvertrauens nicht mehr möglich war, den Gelehrten durch den Dichter zu zwingen und mitzureißen. Auch die s. Z. plötzlich in den Vordergrund geratene und vom Publikum stark überschätzte »Professorenpoesie«, wie sie im archäologischen Roman ihre nicht allzunachhaltigen Erfolge feierte, legt Zeugnis davon ab, daß die Mischung von Dichter und Gelehrtem vor allem dann nicht gerät, wenn die Muse erst nachträglich zu Gevatter gebeten wurde. Männer wie Freytag, Riehl, Wilhelm Hertz hat Kritik wie Publikum natürlich nie unter die dichtenden Professoren gerechnet; daß Geibel und Kinkel

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