Chapter

Von Nachtigallen

Ich sende Ihnen, sehr werter und geschätzter S. T, als einem Liebhaber und Kenner von jeglicher Art Jagd den nachfolgenden Bericht über Nachtigallen, über deren Gesang, über den Inhalt ihres Gesanges, die Art sie zu fangen usw., kurz einen Bericht, wie ich ihn auf Grund von Mitteilungen eines alten, erfahrenen Jägers niederschrieb. Ich war bemüht, alle seine Ausdrücke und auch den Charakter der Sprache beizubehalten. Als die besten Nachtigallen haben von jeher die von Kursk gegolten; neuerdings haben sie aber nachgelassen; man hält nun für die schönsten Nachtigallen jene, die bei Berditschow, an der Grenze, gefangen werden; dort nämlich, fünfzehn Werst von Berditschow entfernt, gibt es einen Wald; es ist der sogenannte Trejatzker Wald; da trifft man vortreffliche Sänger. Die beste Fangzeit ist Anfang Mai. Sie pflegen sich zumeist in Faulbeerbäumen aufzuhalten und im Unterholz, auch in Sümpfen, wo es noch Wald gibt; die Sumpfnachtigallen sind die kostbarsten; sie pflegen etwa drei Tage vor dem Georgstag einzutreffen; anfangs singen sie leise, aber wenn der Mai da ist, nimmt ihr Gesang an Kraft zu; sie singen sich ein. Man muß sie abends und morgens in der Dämmerung und in der Nacht, besser aber in der Dämmerung, belauschen. Manchmal muß man wohl die ganze Nacht im Sumpf zubringen. Einmal wäre ich mit einem Kameraden im Sumpfe bald erstarrt: es fror in der Nacht, und gegen Morgen

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