Chapter

Volpurno

»Die Erinnerung, wie ein Tropfen, der, Nacht und Tag, kalt und unaufhörlich fällt, trug ihr Herz fort.« Lalla Rookh. Völlig überwältigt von der Hitze eines italienischen Abends in Venedig verließ ich das geschäftige Treiben auf dem Markusplatz und begab mich in die Ruhe einer Gondel. Ich wies den Mann an, Kurs auf die Insel Lido zu nehmen (ein schmaler Landstreifen, der die »Lagunen« oder Untiefen jenseits der Stadt vom offenen Meer trennt), und setzte mich auf den Bug des Schiffes, fest entschlossen, das Beste aus den fadenscheinigen Luftwellen zu machen, die hin und wieder die Oberfläche des stillen, dunklen Wassers kräuselten. Nichts versperrte mir den Blick auf die ferne Stadt, deren mächtige Gebäude unter den langen, roten Strahlen der untergehenden Sonne glühten, außer gelegentlich, wenn ein Marktschiff auf dem Rückweg träge an uns vorbeischwamm oder der Rumpf eines großen Handelsschiffes für einen Augenblick die Kuppel einer prächtigen Kirche oder das tiefrote Mauerwerk des Herzogspalastes verdeckte. Unaussprechlich schön war das Schimmern der fernen Lichter in den Häusern, die eines nach dem anderen aus dem Schoß der Tiefe aufzusteigen schienen; und in dieser stillen Stunde schien die Ruhe — die eigentümliche Ruhe Venedigs — in vollkommener Harmonie mit der köstlichen Trägheit der Atmosphäre. Die Geräusche des Lachens oder der Fetzen grober Lieder, die hin und wieder

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