Die schöne Melusine
Zu Poitiers in Frankreich lebte einst der Graf Emmerich, ein gelehrter Herr, der besonders in der Wissenschaft der Himmelskunde und zukünftiger Dinge wohlerfahren war. Er besaß viele Güter und hatte große Freude an der Jagd. Er hatte nur einen Sohn und eine einzige Tochter, die er beide innig liebte. Der Sohn hieß Bertram, die Tochter Blaniferte. Sie war eine schöne und tugendreiche Jungfrau. In dieser Landschaft gab es überaus große Wälder. Dort, wo Graf Emmerich lebte, war ein Wald, den man den Kürbisforst nannte. In ihm lebte zur selben Zeit ein berühmter Graf von gutem Geschlecht, arm an Habe, aber reich an Kindern. Doch ersetzte er seine Armut durch viele Tugenden. Er war ein weiser und verständiger Herr von redlichem Gemüt, der mit seinem jährlichen Einkommen bescheiden und ohne Pracht haushielt. Seine Kinder hatte er in guter Zucht, weshalb er von jedermann geehrt und geschätzt wurde. Dieser Graf stammte auch aus dem Geschlecht derer von Poitiers, führte in seinem Wappen den gleichen Schild und Helm und war dessen Vetter. Weil nun dieser Graf von dem Forst sehr arm und mit vielen Kindern gesegnet war, erwog der Graf Emmerich von Poitiers bei sich, seinen Vetter zu entlasten und ihm unter die Arme zu greifen, damit er sein Leben besser gestalten und einst seine Kinder standesgemäß aussteuern könnte. Bald darauf veranstaltete der reiche Graf von Poitiers ein großes Bankett