Chapter

Verworrenes Leben

Der Wechsel herrscht auf Erden, Die Formen läßt er werden Und schwinden, wie ein Traum. Das Gute nur und wahre Was ihm auch widerfahre; Hoch steht es über Zeit und Raum. (Festgedicht von C. A. G. Geitel.) Glänzend stieg am wolkenlosen Himmel der Vollmond hinter dem Tannenwalde in die Höhe, ohne sich im Geringsten darüber zu verwundern, daß er das kleine Harzdorf Sachsenborn noch auf derselben Stelle in seinem engen Bergthal eingeschachtelt fand, wie gestern, wie vor hundert Jahren, wie vor achthundert Jahren. Die Alten des vergessenen Waldortes hielten, von der Tagesarbeit ermüdet, Rast vor ihren Hausthüren, die jungen Burschen und Mädel durchschritten singend die Dorfgasse, die Kinder jagten einander im Spiel um die kleine Kirche und den Kirchhof, der Brunnen vor dem Gemeindehause plätscherte fort und fort. Das war immer so gewesen an solchen warmen, stillen Abenden, und es war nicht abzusehen, daß und weshalb das jemals anders sein könne und werde. Auch die Einwohner von Sachsenborn, bis auf Wenige, hatten keinen Grund, über das Erscheinen des schönen Nachtgestirns sich zu verwundern, darüber zu erstaunen und Glossen zu machen. Es lebten wenig Leute in Sachsenborn, denen daran gelegen war, daß es hinter den Bergen auch noch Menschen gab – sie hatten ja wenig oder nichts mit ihnen zu thun und genügten so ziemlich sich selbst. Zwischen harter Arbeit und dumpfer Ruhe verdämmerte

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