Versunkene Gärten
Unser erster Blick rückwärts, in eine nun schon so sehr fern liegende Kindheit, gleicht dem in eine von wallenden Nebeln zart verhüllte Landschaft. Zunächst erscheint alles noch ganz undeutlich, mit verwaschenen, verschwommenen Konturen, und was sich hinter den da und dort schattenhaft sich andeutenden Dingen und Gestalten in Wahrheit verbirgt, erschließt sich kaum unserer Ahnung, geschweige denn unserm Wissen. Mählich aber, während die aufsteigende Sonne das ziehende Gewölk spaltet und auflöst und vertreibt, verflüchtigt sich der feuchte Schleier. Und wie hier bald eine Hügelkuppe oder der dunkle Rand eines Waldes, ein stilles, sanftes Tal oder eines Baches silberner Lauf sichtbar werden, so hebt dort die Erinnerung bald den, bald jenen Vorgang heraus aus der strömenden Fülle unserer gelebten Tage und stellt ihn, langsam immer deutlicher werdend, vor unsere Augen. An ihn klammern wir Blick und Seele. Solche einzelnen Geschehnisse und Erlebnisse, solche nie ganz vergessenen Tage oder Stunden sind wie die Meilensteine längs des Weges, den wir gewandert sind. Machtvoll rufen sie uns unser eigenes kindliches Ich zurück. »Jener Knabe dort«, so spricht erschauernd unser Herz, und eine seltsame Kühle weht uns dabei an, »der war ich! Und jenes Kind, das war ich auch! Wie wunderlich das ist. Wie unbegreiflich habe ich mich geändert, da aus dem Kinde langsam ein Mann geworden ist, dem