Erstes Kapitel
In einem echten, rechten Froschteich, da lebt der Frosch in Frieden; alles lebendige Wasser ist fern, kein Zufluß und kein Abfluß; weder bedroht ihn ein überschwellender Strom, noch verderbliche Dürre. Da leben die Frösche von Generation zu Generation als uralt angesessenes Geschlecht. Ihr Teich ist ihre Welt, und so bevölkern sie ihre Welt – und sind große, stolze, vertrauenswürdige Leute. Ein jeder kennt den andern bis zu dessen Urgroßvater hinauf, und so durch und durch, so ganz und gar, so nackt und bloß, daß kein Verstellen, keine Maske, keine Perücke ihm auch das Geringste nützen würde. Alle Fröschlein wissen von jedem einzelnen, was er zum Beispiel als Abcschütze für Erfolge hatte, ob ihm in frühester Jugend die deutschen Aufsätze gelangen oder mißlangen, und wie oft er Strippse kriegte. Nichts wird vergessen, alles, was solch ein Fröschlein je beging oder nicht beging, ist einregistriert, mit Strenge und Genauigkeit, die dem gewandtesten Polizeispitzel Ehre machen würde. Jedes Fröschlein lebt unter einer Last von Akten, die über sein Thun und Lassen geführt werden. Und dieses Fröschlein führt wieder Akten über jedes Haus und jedes elende Fröschlein darin. Die gegenseitige Beaufsichtigung im Froschteich ist einfach großartig. Aber sie leben und quaken und hüpfen und lieben auch alle im stolzen Bewußtsein dieser Aktenbündel, die sie zu führen haben und die über sie