Verschworene der Zukunft
Der Roßgärter Markt lag so öde da wie ein Exerzierplatz am Sonntag. Denn es war um diese Mittagsstunde unsinnig heiß. Man fühlte die Hitze nicht nur, man sah sie auch von den Häusern zurückflimmern; man roch sie mit der Nase, die in die Sonnenglut witterte, man schmeckte sie förmlich mit der Zunge und dem trocknen Gaumen, ja man hörte die Luft allmählich singen und kochen. Hätte man sieben Sinne gehabt, sie alle wären dieser unvergleichlichen Hitzwelle teilhaftig geworden, die heute über der Stadt lag. Ruhe, Ruhe war die Losung auf dem weiten Platz. Die Fußgänger machten vorsichtige Schritte und hielten sich im spärlichen Schatten der Häuser. Alle Fenster in weitem Umkreis waren durch Vorhänge und Jalousien verdunkelt; in welcher Bekleidung die Bewohner sich in den Zimmern aufhielten, durfte man nur ahnen, wenn etwa ein Kunde, der durchaus und durchum zur Apotheke mußte, nach reichlich fünf Minuten den Provisor mit einem ordentlich haßerfüllten Gesicht langsam, wie zum Richtplatz, die Kellertreppe emporschleichen und dabei den Rock ängstlich bis oben zuhalten sah, während ihm die Hosenträger nachschleiften. Ab und zu fuhr im Schritt ein Wagen vorbei. Das Pferd der kleinen, gelben Straßenbahnlinie, die hier entlang führte, zockelte müde einher, und sein Strohhut schaukelte gelinde auf und ab. Die Witwe Naujokat, die sonst selbst im Sommer warmen Rinderfleck auf glühenden