Verschwindende Diamanten
Sie glich einem bunten Schmetterling im Blumengarten, und es kribbelte sie bis in die Fingerspitzen vor Unruhe und Aufregung. In dem großen Zimmer des großen Hauses der obern Belgravestraße, das jetzt wirklich einem Garten voller Blumenbeete ähnelte, war nur ein kleiner freier Raum gelassen, wo sie auf einem zweisitzigen Sofa allein saß und ungeduldig mit den Füßchen auf dem weichen Teppich trappelte. Das ganze übrige Zimmer stand voll langer, runder und ovaler Tische, die mit lauter hübschem Schmuck und Tand, wie ihn junge Mädchen lieben, über und über bedeckt waren. Mindestens ein halbes Dutzend der vornehmsten Juwelierund Galanterieläden von Regent-Street schienen ihre Schaufenster hier ausgeleert zu haben. Die Tische strahlten von Silber, Gold und Edelsteinen; schwere, bunte Seidenstoffe, gemalte Fächer, zierliche Vasen und kostbare Porzellanservice sah man, wohin das Auge blickte. Lilian Ray und Sydney Harcourt sollten nämlich die nächste Woche Hochzeit halten; in ganz London gab es kein interessanteres Brautpaar. Mit ihrem hübschen Gesicht und ihrem liebenswürdigen Wesen hatte sich Lilian die Herzen im Sturm erobert, und daß der gutherzige, aber heißblütige Harcourt über Hals und Kopf in sein Verderben gerannt wäre, wenn sie ihn nicht noch rechtzeitig festgehalten hätte, wußte alle Welt. So fand denn die Verlobung jedermanns Beifall, und während der drei letzten Wochen