Chapter

In der Mühle

Es war zu Anfang April, am Tage vor Palmsonntag. Die milden Strahlen der schon tief stehenden Sonne beschienen das junge Gruen an der Seite des Weges, der an einer Berglehne allmaehlich abwaerts fuehrte. Auf demselben ging in diesem Augenblick einer der angesehensten Advokaten der Stadt, ein Mann mittleren Alters, mit ruhigen, aber ausgepraegteten Zuegen, gemaechlichen Schrittes, nur mitunter ein Wort mit dem neben ihm gehenden Schreiber wechselnd. Das Ziel ihrer Wanderung war eine unfern belegene Wassermuehle, deren durch Alter und Krankheit geplagter Besitzer dieselbe seinem Sohne kontraktlich ueberlassen wollte. Wenige Schritte zurueck folgte diesen beiden ein anderes Paar; neben einem jungen Manne mit frischem, intelligentem Antlitz ging eine schoene, noch sehr jugendliche Frau. Er sprach zu ihr; aber sie schien es nicht zu hoeren; aus ihren dunkeln Augen blickte sie schweigend vor sich hin, als wisse sie nicht, dass jemand an ihrer Seite gehe. Als das Gehoeft des Muellers unten im Tale sichtbar wurde, wandte der Justizrat den Kopf zurueck. "Nun, Vetter", rief er, "du hast eine leidliche Handschrift; wie waer es, wenn du ein wenig Kontraktemachen lerntest?" Aber der Vetter winkte abwehrend mit der Hand. "Geht nur!" sagte er und blickte fragend auf seine Begleiterin, "ich nehme indes eine Sprechstunde bei deiner Frau!" "So mach ihn wenigstens nicht gar zu klug, Veronika!"

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