Chapter

Einleitung

Rußland ... Ich zählte etwa einundzwanzig Jahre. Meine Abende verbrachte ich gewöhnlich im Sprechzimmer und zwischen den Kulissen des alten Volkstheaters. Das Pester Bühnenkulissenleben war zu jener Zeit schon im Niedergange, nicht mehr so wie einst, als einige Grafen aus der ungarischen Lebewelt es laut und bunt und berüchtigt machten. Frau Pálmai war schon ins Ausland gegangen, ihre Magnaten waren längst ruiniert, die Herren aus dem Nationalkasino erschienen nur mehr selten in der ersten Bankreihe des Parterres. Die schweren Börsen, die Lebemänner, die für ihre Liebeshändel das Geld mit vollen Händen verstreuten und dadurch die Sitten dieses ganzen kleinen Budapest aufwühlten, -- so daß die bürgerliche Mittelklasse sie mit blassem Neide betrachtete, während der ärmste Pöbel sie wie ein Zirkus-Spektakel anstaunte -- diese Leute waren längst verflossen. Das Primadonnentum ward immer mehr zu einem Geschäft; anstatt der Vertreter des Hochadels sah man reiche Kaufmannssöhne aus der Leopoldstadt und Journalisten zwischen den Kulissen sich herumtreiben. Die arme Aranka Hegyi hatte damals ihre jugendlich schlanke Gestalt schon eingebüßt; Klara Kücy hatte das leichte französische Vaudeville aufgegeben und geizte nach dem Ruhm der klassischen Helena. Die Stadt Budapest war wie von einem bösen Zauber heimgesucht: es häuften sich die Sorgen, das Leben ward schwieriger, der Kampf ums

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