Erstes Buch
AM STERBEBETTE EINER MUTTER. Um die moosbewachsenen Giebel der alten Försterei rauschten die Tannen im Westwinde. Einzelne schwere Regentropfen schlugen gegen die Fenster und verkündigten den Bewohnern des Hauses den Anzug eines Gewitters. Es war bereits spät am Tage. Das am westlichen Horizont heraufziehende schwarze Gewölk breitete die Schatten der Nacht über Berg und Wald, und die ohnehin etwas abgelegene Försterwohnung war jetzt abgeschnitten von der ganzen übrigen ziemlich stark bevölkerten Gegend. In einem großen Zimmer dieses Hauses, dessen Wände mit künstlich zusammengefügtem Holzgetäfel bekleidet waren, liegen zwei Frauen vor den zurückgeschlagenen Vorhängen eines Himmelbettes auf den Knien. Beide sprechen mit halblauter Stimme Gebete, während ihre thränenerfüllten Augen auf den bleichen Zügen einer Sterbenden ruhen, die nur noch schwach athmet. Das knarrende Geräusch einer sich öffnenden Thür macht jetzt eine der Knienden auf und umblicken, und wir sehen in ein blutjunges, interessantes Gesicht, das, von dem vollen Strahle einer hellbrennenden Lampe getroffen, rosig erglüht. Eine große, hagere Frauengestalt, in durchaus unmoderner Kleidung tritt ins Sterbezimmer. Die rechte Hand der Eintretenden halt eine niedrige Messinglampe, die linke einen großen Schlüssel. Ihr Gesicht ist ernst, der Blick scharf und hart, und die schmalen, festgeschlossenen Lippen lassen