Vergib uns unsere Schuld
Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges lebte zu Magdeburg Herr Vollrad, ein angesehener Kaufmann, der teils seinem Fleiße, teils der Heirat mit einer reichen Witwe den Genuß eines beträchtlichen Vermögens verdankte. Da seine Ehe kinderlos blieb, hatte er die verwaiseten Kinder eines armen Verwandten in sein Haus aufgenommen und erzog sie als die seinigen. Bald darauf starb seine Frau. – Georg und Klara vergalten ihm seine Sorge für ihr Wohl durch die herzlichste Liebe, die sie gegen ihn und durch die innigste Zuneigung, die sie zu seiner Freude von frühster Kindheit an gegeneinander hegten. Da Georg siebzehn Jahre alt war, sandte er ihn nach Augsburg, sich dort in dem Hause eines Handelsfreundes, der große Geschäfte mit dem Auslande trieb, zum tüchtigen Kaufmann auszubilden. Nach einer sechsjährigen Abwesenheit kehrte jetzt Georg in die Heimat zurück. Der Abend wiegte sich auf den Fluten der Elbe. An ihren Ufern hin zog Georg einsam, in sich selbst versunken. Die Türme von Magdeburg hoben sich aus dem herbstlichen Nebelduft. Georg blickte auf und seufzte. Nach einer so langen Abwesenheit sollte er das Haus wiedersehen, das ihn auferzogen; auf ihn wartete daheim der herzliche Willkommen seines Pflegers und zweiten Vaters und seiner geliebten Schwester; ringsum, wo er hinsah, traten ihm Wälder und Hügel, Dörfer und einzelne Bäume wie alte Bekannte entgegen und schienen, die Bilder