Chapter

Erstes Kapitel

»Ja, mein Kind«, sagte die Mutter eines Tages zu mir, »es wird doch am besten sein, daß Du dem Rathe des Herrn Pfarrers folgst und die Stelle annimmst, von der er mit uns sprach; ich sehe wohl, für eine junge Dame Deines Standes, wenn sie mittellos ist, sind hier nur Demüthigungen zu erwarten.« Und nachdem sie diese Worte rasch und in einem Tone gesprochen, welcher trotz seiner Kälte ihre Gereiztheit merken ließ, schloß meine Mutter ihre Lippen fest und fuhr eifrig zu stricken fort. Ich hatte daher Zeit, über eine geeignete Antwort nachzudenken, denn erstens mußte ich der Mutter klar machen, daß etwas mehr als das bloße Annehmen jener Stelle meinerseits nöthig sei, und dann wünschte ich auch zu erfahren, welche Unhöflichkeit oder Unzartheit der Leute des Städtchens sie um den ihr natürlichen vornehmen Gleichmuth gebracht hatte. In beiden Angelegenheiten mußte ich schonend zu Werke gehen. »Ich denke, liebe Mutter«, sagte ich vorsichtig, »daß ich dann wohl am besten sogleich an jene Mrs. Gray schreibe, um ihr zu sagen –« »Daß Du gesonnen bist, die Stelle einer Erzieherin ihrer Kinder, einer Untergebenen in ihrem Hause anzunehmen, Du, ein Fräulein von Günthershofen!« unterbrach mich meine Mutter mit scharfer Stimme und fuhr bitter fort: »Ach, wenn das Dein Vater wüßte!« – »Um ihr vorerst auseinanderzusetzen, in welchen Fächern ich unterrichten kann«, sagte ich und lenkte ein, da

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