Chapter

Verfehltes Leben

Nach wirklichen Erlebnissen vom Verfasser der „neuen deutschen Zeitbilder.“ Es war ein schwerer Druck, der in den Jahren 1806 bis 1812 auf dem deutschen Vaterlande lastete. Er war um so schwerer, und die Geschichte wird für immer diese Zeit als eine um so traurigere bezeichnen, als gerade am meisten, am dienstfertigsten und selbst am fanatischsten Deutsche es waren, die der fremden Gewalt zur Unterdrückung des deutschen Volkes dienten. Sonst und anderswo ist das gemeinsame Leiden ein festes Band zum innigen Zusammenhalten, zu gegenseitiger Treue, zur gemeinschaftlichen Kräftigung, zum gemeinsamen Widerstande gegen den Druck. Die willfährigsten Schergen jenes fremden Druckes waren Deutsche, deutsche Beamten der fremden Machthaber. So gesellte sich zu gemeinsamen Leiden das gegenseitige Mißtrauen; so wurde das Unglück des Volkes so ungeheuer groß; so wuchs aber auch zu Riesengröße und Riesengewalt die allgemeine Erbitterung, der Zorn, die Wuth des Volkes empor. Solche Früchte sah das Jahr 1813. An einem Morgen gegen Ende April des Jahres 1810 standen in einem, zu dem damaligen Königreiche Westphalen gehörigen Landstädtchen vor einem Wirthshause desselben zwei Gensd’armen beisammen. Der Eine war ein Vorgesetzter, der Andere ein Untergebener. Dieses Verhältniß kündigten nicht nur die Schnuren auf der Uniform des Ersteren an, sondern auch sein gewandteres, freieres Benehmen, während

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