XVIII. Kapitel
CHARAKTERISTIK CONSTANTINS · GOTHENKRIEG CONSTANTINS TOD · REICHSTEILUNG UNTER DIE DREI SÖHNE PERSERKRIEG · TRAGISCHES ENDE VON CONSTANTIN D.J. UND CONSTANS · THRONRAUB DES MAGNENTIUS BÜRGERKRIEG · EROBERUNG ITALIENS · SIEG DES CONSTANTIUS CHARAKTER DES CONSTANTIN Der Charakter des Herrschers, der den Mittelpunkt des Imperiums verlegt und umfassende Veränderungen der zivilen und religiösen Verfasstheit seines Landes ins Werk gesetzt hatte, musste naturgemäß die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich ziehen und die gegensätzlichsten Urteile veranlassen. Die eifernde Dankbarkeit der Christen hat den Befreier der Kirche mit allen Wesenszügen eines Helden, eines Heiligen gar ausgestattet; während der Groll der Unterlegenen Constantin mit den scheußlichsten Tyrannen verglich, die nur je mit ihren Verbrechen und ihrer Unfähigkeit den kaiserlichen Purpur entehrt hatten. Dieser Parteienhader hat in gewissem Umfang noch in späteren Generationen fortgelebt, und auch heute ist Constantins Charakter Gegenstand von Satire oder Lobeshymnen. Vereinigen wir unvoreingenommen die Fehler, die noch seine wärmsten Bewunderer eingestehen, mit den Tugenden, die selbst seine unversöhnlichsten Feinde nicht in Abrede stellen »On ne se trompera point sur Constantin en croyant tout le mal qu'en dit Eusebe, et tout le bien qu'en dit Zosime.« (Man wird jedenfalls in seiner Beurteilung Constantins niemals