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Einleitung

Verena Stadler Mit Einleitung von H. E. Jenny. Verlag von Emil Behrend Wiesbaden 1906 Aus »Helden des Alltags« mit Genehmigung der Deutschen Verlags-Anstalt in Stuttgart. Gedruckt bei August Pries in Leipzig. Wenn der Deutsche auf seiner Fahrt nach Italien in Göschenen vor dem Eingang in den Gotthard aussteigt, um im Bahnhofrestaurant schnell ein gutes Mittagessen zu tilgen, so hat er Gelegenheit, einen Wirt zu sehen, der ernst und still umhergeht, die Fremden mit einer leichten Verbeugung grüßt, mit prüfendem Auge die eifrigen Kellner in ihrem Dienst beobachtet und geräuschlos Befehle und Winke erteilt, damit jedermann gut bedient werde. Kaum einer der Reisenden hat eine Ahnung, wer dieser Wirt mit der hohen Stirn und den ruhigen Augen ist. Auch die Schweizer wissen es in der Regel nicht. Und doch kennen ihn Tausende diesseits und jenseits des Rheines und zählen ihn zu ihren Lieblingen. Es ist Ernst Zahn, der Dichter. In andern Ländern möchte man wohl darin eine arge Disharmonie sehen, daß einer ein Wirt und ein Dichter zugleich sei. Allein in der Schweiz blüht noch die alte Eigenart; die meisten Dichter haben ihren besonderen Beruf und fühlen wie der Altmeister Gottfried Keller, daß die Stunde des dichterischen Schaffens eine tiefe Erholung von des Tages ernster Arbeit ist, in welcher sich das Wertvolle und Bleibende des Alltags verdichtet zum poetischen Kunstwerk. Alle diese

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