Vorbericht zum zweyten Theile.
Unter Aesthetik verstehe ich den Inbegriff der Vorschriften, welche aus der Anwendung der Gesetze des Verstandes und der Vernunft auf die Verhältnisse des Menschen zu denjenigen Gegenständen fließen, welche seinen Beschauungshang reitzen. Was dem Menschen, ohne vorgängige deutliche Beziehung auf seine sympathetischen und selbstischen Verhältnisse, bey der bloßen Contemplation gefallen soll und darf, das lehrt, meinen Begriffen nach, die Aesthetik. Suche in den Gegenständen, die auf deinen Beschauungshang wirken, Wahrheit, d. h. Uebereinstimmung mit sich selbst; suche an ihnen Zweckmäßigkeit, d. h. Zusammenstimmung mit den Dingen, die sie umgeben! das ruft der Aesthetiker dem Beschauer zu: das lehrt er ihn finden. Die Folge ist dann Allgemeingültigkeit des Geschmacksurtheils für alle diejenigen Menschen, die Anlagen und Bildung zu Gefühlen des Edeln, Schönen, Vollkommnen haben. Aesthetik ist also die Theorie des wahr und zweckmäßig Edeln und Schönen; des wirklich Vollkommenen für den Beschauungshang. Mit andern Worten: die Theorie eines geläuterten Geschmacks. Auch die Liebe kann ein Gegenstand unserer Beschauung seyn, und in so fern die Reitzungen, welche sie uns in diesem Verhältnisse giebt, den Gesetzen der Vernunft und des Verstandes unterworfen werden mögen, ein Gegenstand der Aesthetik. Die Aesthetik der Liebe ist folglich der Inbegriff der Vorschriften, welche aus der