Chapter

Der öffentliche Erzähler von der Riva degli Schiavoni

Der flüchtige Reisende, welcher der Königin der Meere, Venetia, nur wenige Tage huldigt, der es verschmäht, die Schwelle ihrer Marmortempel zu überschreiten, in die inneren, langsam verwitternden Räume zu dringen, wird, von der Größe der herrlichen Erscheinung geblendet, die Runzeln und Falten auf der gebleichten Stirn der Gebieterin übersehen, ihr ohnmächtiges Hinträumen für Wachen halten. Und in Wahrheit, Wochen können ihm vergehen, eh' er seiner Täuschung inne wird, eh' er nur das Herz der Stadt, in welchem allein noch ein flüchtiges Leben zuckt, eh' er den Markus-Platz, die Piazzetta, und den an diesen stoßenden Kai der Slavonier verläßt, um sich in das finstere Gewirr der düsteren, kaum ellenbreiten Gassen und Gäßchen zu stürzen, oder den bettelstolzen Jammer der verödeten Paläste eines Blickes zu würdigen. Wochen können entschwinden, ehe der Fremdling den mächtigen Eindruck gewältigt, ehe er sich entschließen kann, den wundersamen Bann jener Riesengebäude zu brechen, ehe er ermüdet, die fürstlichen Hallen der Prokurazien, die goldschimmernden Gewölbe der Markuskirche, ihre morgenländischen Kuppeln, die seit einem halben Jahrtausend vor ihrem Bogen Wache haltenden Rosse, den frei aus der Erde wachsenden Markusturm, jenen Mast des Gigantenschiffes Venedig, anzustaunen. Und dann wird er sich zögernd von der unvergänglichen Herrlichkeit jener Wunder wenden, aber nur um wenige

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