Chapter

Erster Teil

(Les don Juanes) Roman Berechtigte Übersetzung von Franz Farga Rhombus Verlag Wien-Leipzig 1926 Zweite Auflage Ein Dancing... In dieser Reihe wirrer, toller Jahre, die auf den Krieg folgten, ist der Dancing ein Symbol geworden, mit seinem Champagner und den gepfefferten Speisen, mit der wütenden Negermusik, mit seinem grellen, übertriebenen Luxus, mit dem zynischen Gemenge von Kurtisanen und ehrbaren – sogenannten ehrbaren – Damen, mit der Zurschaustellung kostbarer Pelze, Perlen und Diamanten. Mit diesem Jahrmarkt weiblicher geiler Nacktheit, mit dieser siegesgewissen Schamlosigkeit, der Geldverschwendung, dem Schnalzen von Küssen und dem Kreischen hysterischer Weiber, der taghellen Beleuchtung, dem wüsten Schwelgen an den Tischen... Dancing... die Revanche der Liebe über den Tod! Dancing... eine Frenesie, unbegreiflich und doch so natürlich nach den Jahren des Krieges, die endlos dünkten, da alle Freuden verboten waren und man diese Freuden trotzdem suchte, denn die Menschheit will leben. Es gab Küsse, die nach Jodoform rochen, von Zärtlichkeit heiße Hände, an denen noch Blut zu kleben schien. Und im Hinterland gab es Täuschung und Verrat. Es gab eine Liebe, die den Kämpfern an der Front gestohlen war, ehrbare Frauen, die dem Drängen des Blutes nicht widerstehen konnten, die sich in Wollust ertränkten, mit dem frevlerischen Gedanken an den Mann, an den Verlobten, an den

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