Chapter

1. Kapitel.

»Ach du, Liebster! – Hast wohl heute schön auf mich gewartet?« Leichtfüßig eilte Ursula Drenck dem Verlobten entgegen, der eben in die Wohnung getreten war, und bot ihm die Lippen zum Gruß. Die alte Marianne, die dem Klingelnden geöffnet hatte, zog sich diskret wieder in die Küche zurück; aber es wäre nicht nötig gewesen. Georg Wigand zog heute nicht den sich ihm darbietenden schlanken Leib zärtlich zu langer Begrüßung an sich. Kurz nur erwiderte er vielmehr den Kuß der Braut und machte sich alsbald aus ihren Armen frei.»Allerdings!« erwiderte er ihre Frage gemessen und mit Nachdruck.»Und warum bist du denn nicht gekommen?« Wigand hatte in der Tat fast eine halbe Stunde vor seinem Hause auf die Verlobte gewartet, die ihn dort, wie gewohnt, hatte abholen sollen.»Mein Gott Jörg! Ich konnte nicht!« Etwas schmollend kam es von ihren Lippen, während er Mantel und Hut an den Haken hing.»Das hättest du dir doch wirklich auch selbst sagen können.« Und sie ging durch die offen stehende Tür ins Zimmer.»So? – Und was hielt dich denn ab, wenn ich fragen darf?« Immer noch verärgert trat er ihr nach in den Raum.»Ach – ich hatte mich so darauf gefreut, dir die große Neuigkeit mitzuteilen; aber nun ist mir die ganze Freude verdorben!« Verdrossen wandte sie sich von ihm ab, zum Fenster des Erkers hin. Wigand wurde milder gestimmt. Den Arm um sie legend, trat er hinter sie.»Na, was gab's denn,

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