Chapter

Unversehens

Erzählung von Lew Tolstoi. Er kehrte um die sechste Morgenstunde heim und begab sich, seiner Gewohnheit gemäß, in das Toilettenzimmer. Anstatt aber sich auszukleiden, ließ er sich in einen Sessel fallen und saß, die Hände auf den Knien, fünf oder zehn Minuten, vielleicht auch eine Stunde, bewegungslos da. Er wusste es selbst nicht, wie lange. Sieben Coeur auf einmal. Geschlagen. Ach Teufel!" An der Tür regte sich etwas. In fein gesticktem Nachtgewand, eine weiße Nachthaube auf dem Kopfe und grüne Samtschuhe an den Füßen, trat seine Frau herein, eine schöne, üppige Blondine mittleren Wuchses. Was hast du denn? — fragte sie einfach. Als sie aber sein bleiches, verstörtes Gesicht sah, schrie sie dieselben Worte ihm zu: Was hast du!!? Mischa, was ist geschehen? Mir? Nichts weiter, ich bin nur verloren! Hast wohl gespielt? Ja. Nun, und. . . ? Und. . . wiederholte er fast mit einer gewissen Schadenfreude. Bin eben verloren. Er wollte die Tränen noch zurückhalten, brach aber gleich danach in heftiges Schluchzen aus. Wie oft habe ich dich gebeten, dich angefleht! sagte die Frau. Sie empfand mit ihrem Manne Mitleid und noch mehr mit sich selbst, nicht allein des bevorstehenden Elends wegen, sondern ganz besonders, weil sie seinetwegen nicht hatte schlafen können. Die ganze Nacht durch hatte sie sich gequält und gesorgt um ihn. Fünf Uhr schon — dachte sie, auf die Uhr sehend, die auf dem

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