Chapter

Erstes Kapitel

Von der dritten Etage konnte man auf die neu errichtete Markthalle sehen. Sonst hatte das Haus Nr. 47 nichts vor den übrigen Mietshäusern voraus, die, hoch, grau und einförmig, sich bis zur Potsdamerstraße erstreckten, von wo gedämpft das Klingeln der Pferdebahnen herüberklang. Ueberhaupt atmete die Straße mit ihrem glatten, wenig befahrenen Asphalt, dem sauberen Trottoir, auf dem nur gut gekleidete Menschen vereinzelt hin und her spazierten, den wenigen in den Keller hinabgeflohenen Geschäften eine gewisse geheimrätliche Ruhe. Auch Nr. 47, sehr hoch, sehr ruhig, barg in seinen teppichbelegten Treppen jene staubige Stille, welche Bureaux und Ministerien auszeichnet. Sein einziger Schmuck, freilich ein merkwürdiger, war ganz unten im Treppenhause: die Ariadne aus dem Louvre, ein empörend rohes Machwerk, zerkreilt und beschmiert, mit verstümmelter Nase; daneben einige verstaubte 6 Schlingpflanzen, darüber flackerte wie zum Hohn eine häßliche, auch tags brennende Gaskrone. Hier in der dritten Etage pflegte allfreitaglich der Klub der »schäbigen Berühmtheiten« zu tagen. Diese Bezeichnung traf nicht ganz. Denn außer längst vergessenen Tagesberühmtheiten begegnete man hier auch bekannten Namen neben ganz unbedeutenden, nie genannten Menschenkindern. Es war ein kleiner, geschlossener Kreis, und es machte jedenfalls der Begründerin, Frau Klara Linker, alle Ehre, daß der Klub oder

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